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Advaita Vedanta - Die einzige Realtät?

Advaita Vedanta - Das Prinzip der Non-Dualität - ist eines, wenn nicht sogar das wichtigste, von sechs philosophischen "Grund-Systemen" aus dem Hinduismus.

Es hat über viele Schriftsteller und Philosophen, wie z.B. C. G. Jung, Einzug in die westliche Welt gehalten. Nicht zuletzt von den sogenannten "neuen Erleuchteten" wie z.B. Karl Renz, Tony Parsons und Eckhart Tolle wird dieses Prinzip der Prinziplosigkeit sehr gerne angesprochen um die einzig wahre Realität für den "Unwissenden und Fragenden" "erklärlich" zu machen. Die Aussage dieser Philosphie ist genau genommen derart kompromisslos, dass sie gar keine Philosophie ist. Ja sie ist nicht einmal ein Prinzip. Sie ist nichts worauf man verweisen kann, nichts was besteht, nichts was gelehrt werden kann, nichts was man sich nur annähernd vorstellen kann. Allein deswegen nicht, weil alles was zu existieren scheint in Wirklichkeit nur Projektion ist. Maya nennen dies die Buddhisten. Die Inder murmeln hierzu mit einem milden Lächeln: "Neti, Neti, Neti" Es ist nicht dies, nicht das und auch nicht Jenes.

 

Die radikale Kompromisslosigkeit beruht nicht auf einem fundamentalen Glauben und auf ein Abweisen von anderen Glaubenssystemen. Sie sagt nur strikt und bestimmt, dass egal was auch immer Ihr meint erklären zu können und zu wollen nicht wahr sein kann. Denn das was wir sind und was uns zu Eins macht IST einfach nur. Es ist nicht gefärbt von verschiedenen Ansichten oder von allerlei möglichen Adjektiven. Es lässt sich nicht schubladisieren und erst Recht nicht Lehren. Es ist kein Objekt und auch kein Subjekt. Es ist weder der Beobachter noch das Beobachtete. Es ist die schlichte und nackte Wahrheit des Seins. Es ist nicht das was auf diesem Stuhl, oder dem Stuhl daneben ruht. Es ist das, was dazwischen ist. Kaum denkt man, dass man es verstanden hat muss man sich eingestehen, dass dies garnicht möglich ist. Denn um etwas zu ver-stehen muss es be-stehen und nichts hat allgemeine Gültigkeit. Die Göttlichkeit und das universelle Sein IST einfach. Sie braucht keine Erklärungen und keine Regeln. Es gibt nichts zu er-klären. Es war nie etwas unklar was der Klärung bedarf. Es ist glasklar. Nur der menschliche Verstand ist auf der ständigen Suche nach einem Objekt, worauf gedeutet werden kann. Auf der Suche nach Erklärungen und auf der Suche nach ETWAS. Seht nur. Das da drüben. Das ist es. Aber so funktioniert das Sein nicht. Es braucht nicht zu funktionieren. Es IST einfach nur.

 

Jede Leserin und jeder Leser, der sich bisher nicht mit derlei Themen beschäftigt hat meint spätestens an dieser Stelle: So - jetzt hat er endgültig den Verstand verloren. Was meint er da und was reden diese selbsternannten Erleuchteten und Allwissenden und was wollen die eigentlich von mir? Die Antwort ist ganz einfach. Ganz genau. Nichts. Weil allein das wollen impliziert, dass es jemanden gibt der will und etwas das gewollt wird. Willkommen zurück in der Dualität.

 

Schlichtweg zu erkennen, dass der Verstand uns immer wieder in die Dualität und in das Zwei-feln bringt genügt. Aber wofür genügt es? Wenn man Glück hat genügt es, damit man dem Verstand, der auch weiterhin seine Arbeit verrichten wird, von nun an mit jener Anschauung begegnet, die einem etwas mehr Ruhe und etwas weniger Stress beschert. Denn mehr gibt es nicht zu tun. Nein noch besser. Es gibt nichts zu tun. Es gab nichts zu tun und es wird nie etwas zu tun geben. Nichts was man zu tun meint um einen gewissen Zustand der Einheit zu erreichen - auch liebevoll und sehnsüchtigst die Erleuchtung genannt - wird helfen. Die Erleuchtung selbst ist eine Illusion. Denn gibt es Licht und jemanden, der erleuchtet wird, so spielt man das Spiel der Dualität.

Aber keine Panik. Die Auflösung (im wahrsten Sinne) liegt in eben dieser Sekunde, inder der Verstand kurz stolpert und man erkennt, dass das was man gesucht hat bereits da ist. Es war nie weg. Man hat nur irgendwann damit aufgehört hinzusehen. Und man wird es immer wieder tun. Und man wird auch immer wieder erkennen, dass man vergessen hatte. Noch besser: Man wird sich er-innern daran, was immer schon da war, nämlich im Innern.

 

Der interessierten Leserin und dem interessierten Leser, welche der Meinung sind, dass die oben genannten Verweise auf die Einheit - Also auf sich selbst, nicht genügend seien und man etwas vermisse, denn "das kann es doch nicht gewesen sein", kann ich gerne einen meiner Lieblingsautoren empfehlen. Karl Renz. Die Satsangs die mit diesem Herrn geführt werden triefen voller Selbstironie und Humor. "Das Buch Karl, oder Erleuchtung und andere Irrtümer" ist ein gelungenes Werk das, mit großem Erfolg, die bittere Medizin mit viel Zucker verabreicht.

 

Und Diejenigen unter Euch, die der Meinung sind, dass das nur asiatischer Glaube sei und nicht auf uns anwendbar und somit das Christentum im Vergleich zu den asiatischen Yin Yang getränkten und Feng Shui genormten Religionen langweilig und ganz anders aufgebaut sei, lege ich "Ein Kurs in Wundern" von Helen Schucman ans Herz. Aber Vorsicht. Dieses Werk ist keine leichte Kost und selbst die Konfrontation mit einer dramatisch anderen Form der bisherigen Anschauung von Realität ruft imensen Widerstand vom Verstand hervor.

 

Ich wünsche allen neu-gierigen Leserinnen und Lesern weiterhin viel Spaß beim Knoten-ins-Hirn-machen, denn das ist zumindest jener Weg, der eine Änderung der Weltanschauung bringt. Sie ist weder richtig noch falsch. Sie behauptet nur nicht sie sei eines von beiden.


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