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Eigenverantwortung

Worüber ich heute schreiben möchte stößt oft auf Gegenwehr. Es geht um Verantwortung. Dass sie in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens nicht übernommen wird, oder noch schlimmer, auf andere abgeschoben wird ist scheinbar normal geworden. Nicht nur in der Politik streitet man regelmäßig die Verantwortung ab und sucht nach Sündenböcken. Dieses verhalten führt ohne Zweifel zu weiteren Konflikten und verhilft somit nicht einer Lösung näher zu kommen.

 

Aber es ist nicht nur die Verantwortung in der Politik oder in der Wirtschaft, die hier gemeint ist. Viel relevanter ist jene, die die eigenen Gefühle und Gedanken sowie Handlungen umfasst. Jene Aspekte, die einen Menschen dort hingebracht haben, wo sie jetzt gerade sind. Ja genau, hier stößt man auf Gegenwehr. Das Verhalten vieler Menschen lässt den Eindruck entstehen, sie könnten nichts für ihren aktuellen Zustand. Sie seien ein Spielball der willkürlichen Launen der Götter und wenn nicht der Götter dann des Zufalls. "Ich kann ja nichts dafür, dass es mir so schlecht geht.", "Schuld sind die anderen!". "Zufall" eines meiner Lieblingsworte übrigens. Denn genau genommen liegt die Bedeutung dieses Wortes darin, dass einem eine Sache zu-gefallen ist. Die Betonung liegt auf der Handlung selbst, nicht auf die Hintergründe und die Mechanismen die dazu geführt haben. Heutzutage wird das Wort "Zufall" aber gleichgesetzt mit Willkür und Kontrollosigkeit. Niemand kann ja schließlich etwas dafür, was der "Zufall" einem so beschert. Es ist eine Umdeutschung und Änderung der ursprünglichen Bedeutung mit dem "unbewussten" Zweck sich als Unschuldslamm zu deklarieren. Somit gibt es auch keinen Handlungsbedarf mehr, denn man kann ja nichts dafür, dass es einem so geht. Man habe ja keine Kontrolle gehabt, denn sonst würde alles anders ausehen.

 

Dabei ist Kontrolle genau das was abgegeben wird, wenn man die Verantwortung nicht übernimmt. Wenn man jedoch bereit ist die Verantwortung wieder zu übernehmen erlang man auch die Kontrolle zurück. In Manager-Coachings zum Beispiel, lernt man, dass man sogar Verantwortung übernehmen soll, wenn etwa ein Kollege etwas falsch gemacht hat und der Chef nach dem Verursacher fragt. Denn nur so bekommt man die Macht und die Möglichkeit die Fehler zu korrigieren und etwas besser zu machen. Also geht Verantwortung mit Macht und Kontrolle einher.

 

Es ist erstrebenswert sich wieder die Kontrolle über seine Gefühle, Gedanken und Handlungen zurückzuholen. Denn darauf hat man sehr wohl einen Einfluß, so sehr man dies auch abstreiten möchte. Dass es gewisse Umstände gibt, die nicht von uns beeinflussbar sind möchte ich hier nicht abstreiten. Ich betone nur, dass das nicht den größten Teil darstellt. Dass ein Baum umfällt und mein Auto demoliert liegt wohl nicht in meiner Macht, aber sehr wohl, ob ich mich nun aufrege und vor lauter Zorn das Fenster eines daneben parkenden Autos einschlage, oder ob ich mit Ruhe und Gelassenheit das Problem in Angriff nehme und somit meine Nerven schone.

 

Ich möchte die werte Leserin, den werten Leser hier dazu animieren sich darüber Gedanken zu machen wie sie mit den angesprochenen Situationen umgehen und welche Alltagshandlungen sie eventuell verbessern könnten. Ich freue mich auch gerne über Kommentare und einen freien Meinungsaustausch. Bis dahin wünsche ich viel Erfolg beim Üben sich die Kontrolle zurückzuerobern und mehr Einfluss auf sein Leben zu gewinnen.

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