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Auszug aus dem Tagebuch IV

(Anmerkung: Es ist inzwischen der vierte Tag hier auf der Station und der dritte Tag der Behandlung. Das Kortison scheint seine berauschende Wirkung so langsam stärker zu entfalten. In diesem Beitrag merkt man, dass ich rhetorisch etwas ungezügelter und direkter bin, was nicht heisst, dass alles treffend formuliert war. Ich verwende immer mehr ein „bürgerliches“ Jargon, wobei es sich in Grenzen hält. Ich scheine zu realisieren, dass ich „anders drauf bin" als sonst und, dass der Verstand hier nicht viel zu melden hat. Meine kognitiven sowie perzeptiven Fähigkeiten sind stark in Mitleidenschaft gezogen durch den Dauerbeschuss. Des Weiteren realisiere ich immer mehr, wie es ist als Patient den Gegebenheiten des Krankenhausalltags wehrlos ausgeliefert zu sein.)

 

19.07.16 19:25

 

Zur Abwechslung schreibe ich wieder mal im Sitzen. Ist doch angenehmer (Anmerkung: die Farbe der Schrift verblasst zunehmend). Nur der andere Kuli mag da nicht mitmachen.

 

Heute war ein bewegter Tag. So langsam verstehe ich wie gestresst man als Patient sein kann. Ich war um 8:00 Uhr auf der Uro-Abmulanz. Grund: Bisl Erys im Pipi (Anmerkung: Erythrozyten – das sind rote Blutkörperchen) – eh schon länger bekannt. Was kam raus? Eh alles ok. Das hat ja jeder einmal im Harn. Völlig unbedenklich. Ansonsten alles „Pipi“-fein.

 

Dannach bin ich auf die Station retour, wo wir begonnen haben mit der Kortisontherapie I.V. Ca. 15 – 20 ml später bin ich zum MR abgerufen worden wo ich bestimmt 1,5 Stunden lang in der „Techno-Röhre“ gelegen bin. Dann wieder retour auf die Station. Da hab ich mal Mittag gegessen. Ich hatte ja so einen Hunger.

 

Also die 8 Uhr Therapie hab ich dann so um 14:40 Uhr endlich gekriegt. Das ist so ein Rauschzustand danach. So langsam gefällt mir dieses hoch- und runterfahren. Das ist echt eine Challenge für die Psyche. Eine Zeit lang kennt man sich so garnicht aus, bis man auf Wolke soundso angekommen ist. Weil dann geht es ja wieder, denn dann weiss man dass man völlig „Banane“ ist. Davor weiss man vorerst mal gar nichts und der Körper fährt gerade nur ein paar Gänge hoch.

 

Bezüglich nochmal über meine Gefühle schreiben, wie ich bereits gestern angedeutet habe. Keine Ahnung ob ich was anderes berichten kann. Mir geht es gut. Ich bin high! Und deswegen stellt sich überhaupt die Frage wie sinnvoll es ist jetzt großartig viel zu grübeln. Ich weiss nicht einmal wie authentisch das wäre. Ich gebe mir mal Zeit das Ganze hier zu realisieren, aber ich glaube wirklich, dass ich das gut verdaue.

 

Meine Freundin hat mir heute saubere Wäsche gebracht. Die Arme hat jetzt Nachtdienst. So langsam fragt sie sich auch, warum zum Henker sie bloß so viel Zeit hier verbringt. Dieses Haus hat sie scheinbar vollends verschluckt.

 

So - Mag nimmer schreiben. - Bis bald!

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