· 

Auszug aus dem Tagebuch V

(Anmerkung: Diesen Eintrag verfasste ich erstmals von zu Hause. Ich wurde an jenem Tag vom Krankenhaus entlassen. Es war gleichzeitig der Tag an dem ich erstmals meinen Emotionen freien Lauf lassen konnte. Dafür gab es auch einen Auslöser. Über all das berichte ich hier.)

 

20.07.16 23:10

 

Ich bin wieder zu Hause!

 

Links von mir - meine Süße. Sie schreibt gerade selber in ihr Tagebuch. Wir sind im Bett. Zwischen meinem Tagebuch und mir (Ich hocke gerade) habe ich einen Teller, mit drei Scheiben mit Humus bestrichenem Roggenbrot und mit selbstgemachtem Salat von meiner Mama sowie Yoghurt, angehäuft.

 

Ich hatte von gestern auf heute scheinbar nicht so gut geschlafen. In der Früh kam meine Freundin nach dem Nachtdienst vorbei. Sie meinte ob es mir gut geht? Ich habe ganz verquollene Augen und schaue so aus, als ob ich geweint hätte. Aber das hatte ich nicht. Ich war einfach nur müde und unausgeschlafen. Wir gingen gemeinsam auf Ebene X eine rauchen. Da trafen wir auf einen ehemaligen Klassenkameraden von einem Freund von mir von der Krankenpflegeschule. Wir haben uns kurz unterhalten und er sagte dann etwas, was mir nicht aus dem Kopf ging und mir gemeinsam mit der Aussage meiner Freundin über meine verquollenen Augen, ca. eine Stunde lang nachdem sie dann weg war, geholfen hat so richtig zu weinen und los zu lassen. Er sagte: "Du bist auf der falschen Seite." (Anmerkung: Er meinte ich bin auf der falschen Seite des Bettes als Krankenpfleger.) Auf einmal waren sie da die Tränen und ich war froh. Endlich, dachte ich mir. Endlich kommt es raus. Das Gefühl von Trauer war auch stellenweise mit Zorn und Wut erfüllt. Auch darüber musste ich dann lachen, wie diese "grantigen Augenblicke" plötzlich dominierten. Ich war froh, dass das alles jetzt endlich rauskommen konnte. Stellenweise hatte ich auch das Gefühl, dass ich einfach nicht alleine sein wollte und es wäre mir egal gewesen wer. "Hauptsache ein weiterer Mensch in meiner Nähe" war das, was mir gefehlt hatte. Ein wenig später kam der Pfleger mit der fünften Portion meiner Kortison-Kur. Fünfter Tag, fünfte Dosis. Eben denselben Pfleger habe ich dann mit Blut am Kittel besudelt, als ich die Nadel zog nach der Therapie. Naja, ich hätte auch nicht so fest ziehen müssen. Aber es geschah einfach. Zu der Zeit war übrigens auch gerade ein Kollege von meiner eigenen Station zu Besuch und war Zeuge dieses blutigen Spektakels. Ihm geht es zur Zeit auch nicht gerade gut. Dementsprechend "down" und ständig verheult ist er halt drauf.

Ja so schleppt jeder sein Packerl sind wir dann drauf gekommen. So läuft das Leben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0